Evangelische Kirchengemeinde in Lauterbach
Stiftungsausstellung eröffnet
Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach
„Stiften tut gut!“ heißt die Ausstellung, die bis zum 18. Oktober im Foyer des Lauterbacher Eichhof-Krankenhauses zu sehen ist. Zur Eröffnung war Pfarrer Rüdiger Bieber, Stiftungsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in die Kreisstadt gekommen, um den Besuchern die Stiftungsinitiative der EKHN vorzustellen.
Daneben sprach Helmut Totzek als Vorsitzender des Stiftungsrates der Heilanstalt für Kranke in Lauterbach über deren Geschichte und Gegenwart und Dekan Dr. Volker Jung vermittelte Einsichten, wie das Thema Stiftung gesellschaftlich nutzbringend in der Region umgesetzt werden kann.
Pfarrer Rüdiger Bieber
Die Geschichte der Stiftungsidee, so Rüdiger Bieber, reicht weit in die Vergangenheit zurück. So wurde etwa das Hospital zu Biedenkopf bereits im Jahre 1417 errichtet. Sein Zweck ist noch heute„die Betreuung und Unterstützung alter, kranker oder sonstiger Weise notleidender Einwohner der Stadt Biedenkopf“. Die Motivation der Stifter in der frühen Neuzeit – in Biedenkopf war es Freiherr Gerlach von Breidenbach zu Löwenstein – galt unter anderem der Sicherung des Seelenheils ihrer Initiatoren. In heutiger Zeit kann der Zweck der verschiedenen Stiftungen sehr vielfältig sein. Pfarrer Bieber stellte hierfür die Wiesbadener Julius-Rumpf-Stiftung vor, die an den Pfarrer Julius Rumpf erinnert, der von 1936 bis 1938 die Bekennende Kirche in Hessen-Nassau leitete und dann von den Nationalsozialisten zwangspensioniert und aus der Stadt ausgewiesen wurde. Die Initiatoren wollen mit ihrer Stiftung Menschen fördern, „die in sinnvollen Projekten Strukturen der Toleranz und der gewaltfreien Konfliktlösung, der Mitmenschlichkeit und der Versöhnung aufbauen.“ Bieber gab seiner Freude darüber Ausdruck, jetzt in Lauterbach dieses „fremde Wesen Stiftung“ vorstellen zu können, das zwar vielen Mitbürgern als Sache von hohem Prestigewert vertraut sei, die Hintergründe aber größtenteils unbekannt wären. Sein Ziel sei es, „die Stiftungskultur neu zu beleben“. In der Bundesrepublik gäbe es ein aktuelles Privatvermögen von 8 Billionen Euro – „eine Zahl mit zwölf Nullen, und zwar vor dem Komma…“ –, 160 Milliarden Euro würden jährlich vererbt, erklärte der Pfarrer. Doch: Je älter und vermögender Menschen seien, „desto weniger bereit sind sie, zu geben“. Die Tendenz gehe dahin, dass jüngere Menschen mit Bürgersinn bereits zu Lebzeiten Stiftungen in Leben riefen; 40 Prozent aller Stifter seien unter 60 Jahre. Seit die Initiative in der EKHN im Jahre 2002 ins Leben gerufen wurde, habe sich die Landeskirche mit der Diakonie zur größten Förderin auf diesem Gebiet in Hessen entwickelt. Allein ab Juni 2005 wurden unter ihrem Dach 30 Stiftungen ins Leben gerufen. Allen Stiftern, so Bieber abschließend, sei ein Charakterzug gemeinsam: „Individuelle Selbstverwirklichung und gesellschaftliche Verantwortung gehören für sie zusammen“.
Helmut Totzek
Über die Erfolgsgeschichte der Stiftung Heilanstalt für Kranke zu Lauterbach, die natürlich auch in der Ausstellung vertreten ist, referierte im Anschluss Helmut Totzek. Am 24. April 1877 vom Frauenverein der Stadt unter Vorsitz von Freifrau Anna Riedesel zu Eisenbach errichtet, hat sich das Projekt in Laufe der Zeit in das moderne Krankenhaus Eichhof mit 244 Betten und 15 teilstationären Plätzen in einer psychiatrischen Tagesklinik gemausert. Weitere Einrichtungen sind das Hospital Schlitzerland in Schlitz mit einer gereatrischen Abteilung, ein Dialysezentrum, die Diakoniestation Lauterbach und andere mehr.
„Seit ihrer Gründung 1877 weiß sich die Stiftung mit dem Auftrag der Kirche verbunden, Gottes Leibe zur Welt in Jesus Christus allen Menschen zu bezeugen. Der Anspruch einer optimalen medizinischen Versorgung wird daher vom christlich humanitären Stiftungsgedanken getragen, der von der Gründung bis heute Gültigkeit hat“, erfährt der Besucher über die Lauterbacher Stiftung in der Ausstellung.
Dekan Dr. Volker Jung
Über die Perspektiven in der Region Vogelsberg entwickelte abschließend Dekan Dr. Jung seine Ideen. Er wieß darauf hin, dass bereits zwei Stiftungen – die Willi-Stabernack-Stiftung sowie die Harald-und-Katharina-Manteuffel-Stiftung – in Lauterbach bestehen. Seine Idee, so Jung, sei es, die Kirchengemeinden zu motivieren, darüber zu diskutieren, ob sie nicht selbst Stiftungen auf den Weg bringen könnten. Der Stiftungszweck könne dabei in der Förderung der eigenen Gemeindearbeit bestehen. Neben den Einnahmen aus Kirchensteuern, Spenden und Kollekten könnte so ein „drittes finanzielles Standbein“ aufgebaut werden. Als nichtselbstständige Stiftung wäre dabei nur ein geringer bürokratischer Aufwand zu betreiben.

Interessiert verfolgte das Publikum bei der Eröffnung die Beispiele aus der lange währenden Stiftungsgeschichte.
Eine weitere Möglichkeit wäre in der Förderung besonderer Zwecke, wie etwa der Kirchenmusik oder der Kinder- und Jugendarbeit. Auch sei es denkbar, eine Stiftung für sozialkaritative Einrichtungen auf den Weg zur bringen, wie sie etwa in der Jugend- und Drogenberatung/ Suchthilfe Vogelsberg bestehe. Schließlich könnten Stiftungen ins Leben gerufen werden, „die bestimmte Ideen fördern“. Möglich sei etwa eine Bildungsstiftung, die Projekte auf diesem Gebiet unterstütze. Als überregionales aktuelles Beispiel führte Dr. Jung die Überlegung an, ob die Frankfurter Goethe-Universität, die 1914 als Stiftung begann, zu ihrem Jubiläumsjahr nicht als Stiftung neu gegründet werden solle. „Nachdem es in der Vergangenheit eine Zeit der Fördervereine gab, beginnt jetzt vielleicht die Zeit der Stiftungen“, schloss der Dekan.
(Ralf Dörschner)
>> komplette Pressemeldung mit Bildern [pdf]
>> Ansprache zur Eröffnung (Pfr. Rüdiger Bieber)
Presse-Echo:
>> Alsfelder Allgemeine, 9.10.2006 [pdf]
>> Lauterbacher Anzeiger, 7.10.2006 [pdf]
>> Marktkorb am Sonntag, 8.10.2006 [pdf]
>> Sonntag Anzeiger, 8.10.2006 [pdf]
>> Vogelsberg Wochen-Bote, 12.10.2006 [pdf]