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Presseartikel

Ginsheim mit gutem Beispiel voran
In der evangelischen Kirche soll eine Stiftung entstehen / Acht Billionen Euro suchen ihren Zweck

Vom 14.06.2006
 
hkö. GINSHEIM Zu einer Stiftungsmatinee mit besonderen künstlerischen Schwerpunkten, in Mitwirkung des Chors VocoMotion unter Leitung von Silvia Tollkien, und der Jass-Sängerin und Pianistin Barbara Leah Meyer aus Mainz, hatte die evangelische Kirchengemeinde am Sonntag ins Gemeindehaus am Damm eingeladen.

Mit einer Wanderausstellung der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Diakonie in Hessen stellte der Fachreferent für fundraising und Stiftungsmarketing in der EKHN, Pfarrer Rüdiger Bieber, im Gemeindehaus die Stiftungsinitiative der Gesamtkirche vor.

Bieber führte aus, dass infolge einer nie da gewesenen, ununterbrochenen sechzigjährigen Friedenszeit in Mittel-Europa, in Deutschland privates Geld in einer Größenordnung von acht Billionen Euro seine Zwecke suche. Hier böten sich vor allem gemeinnützige Stiftungen an, die bedürftige Menschen in kritischen Lebens-Situationen unterstützten.

Stellvertretend für die vielen, in der evangelischen Kirche existenten Stiftungen, benannte der Fachreferent als älteste die Stiftung Hospital zu Biedenkopf, gegründet 1417, die Diasporastiftung für Protestanten als Minderheiten, die Elisabethenstiftung Darmstadt aus 1857. Als einziges ökumenisches Stiftungsmodell stünden auch beispielhaft die Hans-Voshage-Hospizstiftung, oder die Julius-Rumpf-Stiftung, die etwa auch Ruppert Neudecks Boatpeople-Rettungs-Aktionen unterstützte. Auch die Stiftung für das Leben, 1975 als Antwort auf die Abtreibungs-Debatte gegründet, wurde erwähnt.

Dass das Stiftungswesen in der evangelischen Kirche eine lange Tradition hat, wurde den Gästen in einem sinnenfälligen Zwiegespräch deutlich: In ihrer Rolle als Gräfin von Schrautenbach, einer Stifterin aus längst vergangenen Zeiten, führte die bezaubernde Darmstädter Schauspielerin Iris Stromberger, mit dem Fachreferenten einen erhellenden Dialog. Bemerkenswert ist, dass die genannte Stiftung, in Friedberg (Hessen) fundiert, seit 274 Jahren fortbesteht.

Bedingt durch zukünftige, demoskopische Veränderungen sei damit zu rechnen, dass das Kirchensteuer-Aufkommen weiter rückläufig ist, so Rüdiger Bieber. Wolle man nicht tatenlos zusehen wie die Mittel restlos schwinden, mit denen Gemeindearbeit, Gemeindeprojekte und ehrenamtliches Engagement unterstützt wurden, müsse man tätig werden.

Dies ist kürzlich in Ginsheim geschehen und ein Team initiierte die Gründung einer solchen Gemeindestiftung. In diesen Tagen erhielten die Verantwortlichen die Stiftungs-Genehmigung. Gründungstermin ist der 1.10.2006

Abschließend erläuterte Pfarrer Herbert Olbrich, dass jedermann sich auch mit kleineren Beiträgen in eine Stiftung einbringen kann und dass stiften und spenden einander nicht ausschließen. Jeder könne festlegen, welches Projekt er vor Ort in seiner Kirchengemeinde fördern möchte. Oder welche besondere Gruppierung, angefangen von Kindergruppen über Pfadfinder und Jugendgruppen über Integration von Senioren bis hin zu kulturellen Aktivitäten, für die Menschen im Ort und darüber hinaus, er unterstützen möchte.

[Main-Spitze, 14.6.2006]

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