
Warum geht die EKHN jetzt mit einer Stiftungsinitiative in die Öffentlichkeit?
Bieber: Sie möchte die Kultur des kirchlichen Stiftens fördern. Zur Zeit erleben wir eine Renaissance von Stiftungserrichtungen. Jeden Tag werden allein in Deutschland drei Stiftungen gegründet. Der Trend wird sich bis 2010 auf mindestens fünf neue Stiftungen pro Tag verstärken. Auffällig ist, dass die Zahl neuer kirchlicher Stiftungen eher sehr bescheiden ausfällt. Deshalb ist es dringend geboten, in der Öffentlichkeit Flagge zu zeigen
Was bekommen Besuchende der Ausstellung zu sehen?
Bieber: Die Ausstellung ist so konzipiert, dass Besuchenden ein informatives wie emotionales Erleben der Stiftungswelt ermöglicht wird. Es präsentieren sich als bunter Strauß rund 30 verschiedene Stiftungen — alte wie neue. Fotografen haben die unterschiedlichen Stiftungszwecke visualisiert. Angereichert mit interessanten Informationen wurden die Fotos in ein zu unserer Kirche passendes Design eingearbeitet.
Welche konkreten Ziele verfolgt die Stiftungsinitiative?
Bieber: Sie will Bürgerinnen und Bürgern das fremde Wesen Stiftung näher bringen. Was ein Verein ist, weiß man. Was eine Stiftung ist, ist weithin unbekannt. Darüber hinaus will sie einzelne Menschen wie Gemeinden motivieren, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, eine Stiftung zu errichten.
Stiftungen brauchen viel Kapital. Da können sich wohl nur Millionäre angesprochen fühlen?
Bieber: Eben nicht. Dank der Analysen der Bertelsmann-Stiftung wissen wir, dass zum Beispiel Bürgerstiftungen weniger von Millionären als von ganz normalen Bürgerinnen und Bürgern als Gemeinschaftsstiftung errichtet werden. Genau das verfolgen wir, wenn wir Gemeinden ermuntern, eine Stiftung zu errichten. Kirche hat schon immer die Erfahrung gemacht: Wenn viele kleine Hände sich zusammentun, werden alle satt. Dieses gemeinnützige Engagement gilt es zu fördern.
Allenthalben wird über die leeren Kassen der Kommunen, Länder, des Bundes und der Kirchen geklagt. Wie will man da zu Kapital für Stiftungen kommen?
Bieber: Genau das ist der Punkt: Das Geld in den öffentlichen Haushalten wird weniger, während das Privatvermögen einen Höchststand wie noch nie erreicht hat. Zur Zeit werden jährlich rund 130 Milliarden Euro vererbt, in den kommenden Jahren wird mit rund 2,5 Billionen Euro Erbmasse gerechnet. Das private Vermögen wird auf rund vier Billionen Euro an Immobilien und Grundstücken und weitere fast drei Billionen Euro an Geldwerten geschätzt. Eine unvorstellbare Summe! Die materielle Versorgung des größten Teils der deutschen Bevölkerung war noch nie so gut wie heute — dank einer nun schon 60jährigen Friedenszeit, die es so zuvor noch nie gegeben hat.
Die Stiftungsinitiative heißt: Stiften tut gut. Warum?
Bieber: Seit Jahrhunderten machen Stiftende diese beglückende Erfahrung. Stiftungen bieten die einzigartige Möglichkeit, langfristig Gutes zu tun – weit über das eigene Leben hinaus. In der Kirche fanden und finden Stiftende einen verlässlichen Freund und Partner für ihr Engagement. Dass es denBegünstigten — seien es Kulturgüter wie Kirchen oder Menschen, die auf das soziale Engagement von Stiftenden angewiesen sind — gut tut, versteht sich von selbst.
Für Christen ist Stiften eine Liebestat. Sie ist eine Antwort auf Jesus Liebesgebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“